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Verspricht „Der Irre Iwan“ auch ein irres Drehbuch?

Pflüger: Bei uns ist der Titel immer Programm.
Clausen: Und es steckt irre viel Arbeit und Liebe drin.
Pflüger: Unsere Figuren haben uns selbst überrascht. Die haben so viel Vollgas gegeben, dass wir mit dem Schreiben kaum nachkamen.

Die Initialzündung zum neuen Drehbuch kam wann?

Pflüger: Als wir über Caspar Bogdanski nachgedacht haben, den Kutscher aus „Die Fette Hoppe“. Ich liebe den Schauspieler Dominique Horwitz, Murmel auch. Als Allererstes wussten wir, dass er zu Beginn des Filmes aus dem Knast kommt. Und dann haben wir uns gefragt: Welches Chaos könnte sich in Weimar am Tag seiner Entlassung Bahn brechen? Man glaubt ja nicht, wozu der menschliche Geist fähig ist.
Clausen: Allerdings hatten wir zu dem Zeitpunkt schon einige Wochen an einer anderen Idee gearbeitet, die sich jedoch nicht knacken ließ. Dann haben wir durch Zufall vom Rudolstädter „Vogelschießen“ erfahren, dem größten Rummel Thüringens, ganz in der Nähe von Weimar. Krimimäßig eine Goldgrube.
Pflüger: Da flogen uns die Ideen nur so um die Ohren.
Clausen: Es wird krachen, puffen und zischen.

Gab es eine besondere Herausforderung beim Schreiben des Drehbuchs?

Clausen: Natürlich, denn nach dem tollen Feedback auf „Die Fette Hoppe“ ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch.
Pflüger: Wir selbst legen die Latte immer höher.
Clausen: Stichwort „Weimarer Wahnsinn“.
Pflüger: Wir wollten einen Film schreiben, der zu den Anfängen zurückkehrt, als auf den Rummelplätzen die Nickelodeons standen und die Bilder und Geschichten nach gebrannten Mandeln und Zuckerwatte geschmeckt haben, scharf und süß. Und dann Achterbahn fahren.
Clausen: Eine Geisterbahnfahrt der Gefühle, ein Höllenritt. Genau wie die Entwicklung.

Andreas Pflüger, Sven Döbler und icke
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Andreas Pflüger, Sven Döbler und icke

Was hat Sie beim Schreiben besonders amüsiert?

Pflüger: Jede neue Wendung, jeder gelungene Satz, einmal sogar ein Komma.
Clausen: Wir lachen eigentlich ständig, das kostet unheimlich viel Zeit.
Pflüger: So eine Freiheit und Lust spürt man natürlich nur, wenn man weiß, dass man Leute hinter sich hat, die einem großes Vertrauen schenken. Die Redaktion des MDR, Jana Brandt und Sven Döbler, aber auch Nanni Erben von Wiedemann & Berg sind ein Geschenk.
Clausen: Und es ist schön, dass man von Fassung zu Fassung alle Figuren noch besser versteht, besonders den Ursprung ihrer Komik. Wir müssen auch noch mal ein großes Lob an unseren Regisseur Richard Huber aussprechen, der noch kurz vor Drehbeginn ein paar Pointen hinterfragt und so wirklich alles aus uns und den Charakteren herausgeholt hat.

Sind die Rollen des Krimi- und Satireschreibers zwischen Ihnen Beiden getrennt?

Clausen: Absolut nicht. Wobei jeder von uns Stärken und Schwächen hat. Andreas kann zum Beispiel schon, während wir einfach nur alle Ideen und Gedanken zum Film unsortiert und ungefiltert hin- und herwerfen, eine Struktur in das Chaos bringen. Das würde mich alleine mindestens eine Woche kosten.
Pflüger: Ich würde unsere Arbeit nicht als Satire bezeichnen. Wir nehmen unsere Figuren ernst, machen uns nicht über sie lustig, die Komik entsteht immer aus dem Charakter heraus. Wir haben beide den gleichen Sinn für Humor und eine Leidenschaft, menschliche Abgründe auszuloten. Oft fängt der eine einen Satz an und der andere beendet ihn. Klar habe ich mehr „Tatort“-Erfahrung, aber ich habe ja auch Komödien geschrieben. Und Murmel kann auch Krimi. Er ist blitzschnell im Kopf und ganz einfach der witzigste Mensch, den ich in meinem ganzen Leben kennengelernt habe.
Clausen: Letzten Endes könnte keiner von uns beiden einen „Tatort Weimar“ alleine schreiben.
Pflüger: Und würde es auch nicht wollen.