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Nüchtern trotz Zelt

Nüchtern trotz Zelt

Statt in ein ordentliches Hotel zu gehen, habe ich zwei Wochen in einem Glampingzelt gebucht. Die besondere Herausforderung für den Urlaub bestand darin, nüchtern zu bleiben. Zwei inkompatible Schnapsideen.

August 2018. Die Sonne hat sich vorgenommen, der AfD ans Bein zu pinkeln und Europa zusammenzuschweißen. Mit all ihrer Kraft versengt sie deutsche Kleingärten, französische Weinreben und englische Haut. Es ist der Sommer unseres Missvergnügens – denn wir haben beschlossen, ihn in einem Glampingzelt auf der Insel Elba zu verbringen. Nach den verstörten Reaktionen auf meinen jwd-Artikel “Saufen trotz Kind” (“Assoziales Alkoholickerpack … Brief anz Jugendamt ist raus!” Dirk W. aus H.) wollen meine Frau Caren und ich zusätzlich beweisen, dass wir fähig sind, auch ohne Alkohol Ferienspaß zu haben.

Enki Blonde. So geht Bier

Denkste. Ich habe mir gleich am ersten Tag drei Bier hinter die Binde kippen müssen, um in unserer schamanischen Schwitzhütte überhaupt ein Auge zuzubekommen. Die sogenannte Luxusvariante des Campens findet nämlich in einem Zelt aus solidem PVC statt, in dem sich die Hitze staut wie Autos in Sterzing. Es ist so heiß, dass selbst das Tippen dieses Artikels zur schweißtreibenden Arbeit wird. Und das Bier, Enki Blonde,schmeckt so unverschämt gut, dass ich schon jetzt sehe, wie sich unsere guten Vorsätze in Methanol auflösen. Es ist jedoch nicht unsere Art, gleich die Flinte ins Korn und sechs Flaschen Wein in den Einkaufskorb zu werfen. Noch liegen 13 Tage vor uns. Wir packen das. Trotz des verhassten Plastikzelts.

Das Elend der Anderen

Es ist allerdings nicht nur unser ökologisch höchstbedenklicher Brutkasten, der den Urlaub so ungenießbar macht – wir befinden uns dazu unter Wesen, die jedes Jahr ihre Würde im Keller einlagern, das Zelt rausholen und auf einen Campingplatz im Süden fahren. Allein die gebückte Haltung, in der diese Stoffhöhlenmenschen zu ihrem Schlafplätzen kriechen, legt nahe, dass sie ihren Urlaub im Unerfüllten verbringen. Sie huschen mit ihrem Geschirr zur Wasserstelle, hängen ihre Vorräte an Äste und sitzen abends im Kreis um ihre Mückenkerzen. Vermutlich finden sich auch naive Kohlezeichnungen ihrer Aktivitäten (Beachtennis und die große Mückenjagd) an den Innenwänden der Polyestergrotten. Alles um sie herum ist praktisch und faltbar. Im Herzen dürfte ihnen bewusst sein, dass man so einen Urlaub eigentlich auch knicken kann.

Nichtsdestotrotz beäugen diese Primitiven uns mit einer gewissen Verachtung. Wir gehören nicht zu ihnen, da wir offensichtlich nicht ohne einen gewissen Mindeststandard zurechtkommen. Schweigend werfen sie uns vor, dass wir besser und teurer wohnen als sie. Ihre Blicke können uns jedoch nichts anhaben. Wir ernten sie in der gesamten Republik, denn wir haben ein Münchner Kennzeichen. Zudem haust eine weitere Spezies auf dem Gelände, die in den Augen der Wigwamwichtel noch unter uns angesiedelt ist: die Bungalowdeppen. Hier herrscht Einigkeit zwischen uns und der Outdoor-Hautevolee: Wer auf einen Campingplatz fährt, um in einem Haus zu nächtigen, hat den Schuss nicht gehört und die Kugel im Kleinhirn.

Ein ganz anderes Volk sind die Caravaner, die jeden Morgen den Teppich vor ihrem Wohnmobil kehren, mit dem Handstaubsauger die Krümel vom Tisch entfernen und vorrangig damit beschäftigt sind, in ihrer mobilen Urlaubsimmobilie für Ordnung zu sorgen. Keiner weiß, was hinter den Türen dieser Fahrzeuge vor sich geht. Ob sie nicht seit 14 Jahren Kinder im Deichselkasten eingesperrt haben. Ob der Westphalia-Schriftzug und die Bremskeile auf planem Untergrund nicht ein Code für wilde Swingerparties sind. Oder ob sie vor dem Einschlafen die Sünden des Tages Revue passieren lassen und sich dann betend mit einer Geißel ins Land der Träume peitschen. Wir werden es nie erfahren.

Auf dem Holzweg ins Verderben

Ein Traum aus PVC

Doch zurück zu unserem Alkoholproblem. Genauer gesagt, zu dem Problem, darauf verzichten wollen zu müssen (“Abonnemon wurde fristlos gekündigt!” Frau H. aus B.) . Wir schreiben Tag drei, die Meteorologen 32 Grad, gefühlt 41. Das ist die Temperatur, bei der wir zuhause unsere Wäsche waschen. Es würde theoretisch reichen, sich mit Waschmittel einzureiben und den Schweiß die restliche Arbeit erledigen zu lassen, um ständig in sauberen Klamotten unterwegs zu sein. Wer es Caren und mir krumm nimmt, unsere Kerntemperatur mit eiskaltem Gerstensaft herunterfahren, ist ein Unmensch. Das Ethanol verdampft so oder so in kürzester Zeit, wenn man sein Glas nicht auf ex trinkt. Ein Blick auf meine Wetterapp verheißt allerdings Gutes: Kommenden Dienstag soll es nur 27 Grad kühl werden und eventuell kurz regnen. Spontan beschließen wir, unsere Trockenperiode auf die letzten sechs Urlaubstage zu verlegen. Darauf eine Weinschorle! Wir haben 139 Stunden Zeit, uns die selbstgewählte Misere schön zu trinken und vielleicht den ein oder anderen akzeptablen Aspekt an den Ferien in Vinyl zu finden. Die Suche nach dem Richtigen im Falschen. Adorno dreht sich in seinem Schlafsack um.

Da wäre zum Beispiel das Dilemma mit der Toilette, die sich idiotischerweise im Zelt befindet. Wer sich aufs Porzellan schwingt, wird entsprechend von Passanten gehört – unser Plastepalast steht direkt am Weg zum Strand – und von Mitbewohnern zusätzlich olfaktorisch wahrgenommen. Selbst Elefanten verlassen zum Kacken ihr Revier. Doch woher sollen die Italiener das wissen? Seit Hannibal ziehen nur noch wenige Dickhäuter durchs Land. Allen anderen auf dem Gelände geht es zum Glück nicht besser: Ihnen stehen acht kleine Badezimmer zu Verfügung, in denen 24/7 Därme und Blasen entleert, Bikinizonen getrimmt und Genitalien gewaschen werden. Gegen Mittag verwandeln sich die Kammern in vollverkeimte Dampfbäder, und ich warte nur darauf, dass eine Rettungsmannschaft in ABC-Schutzanzügen anrückt, um die Leute aus den toxischen Nasszellen zu retten.

Planschen im eigenen Schweiß

Inzwischen sind fünf Tage vergangen. Wir waren mehrmals am überfüllten Strand von Lacona und haben vergeblich versucht, uns in der brühwarmen Suppe zu erfrischen. Ein Ausflug in das als malerisch verschrieene Bergdorf Capoliveri (Italienisch für “keine Parkmöglichkeit”) verläuft sehr ernüchternd: Man ist perfekt auf die Abfertigung von Touritrotteln wie uns vorbereitet. In jedem Haus wird schnöder Tand verkauft, lediglich ein kleiner Laden mit tibetischem Schmuck fällt positiv auf. Ich bin mir sicher, dass er von den restlichen Shops, die ihre Produkte vorrangig aus China beziehen (Luftmatratzen, Kack und Kuchen), gewaltsam unterdrückt wird.

Die Fahrten nach Porto Azzurro und Portoferraio bei schnuckeligen 34 Grad enden im eigenen Saft vor der Klimaanlage des Autos mit der Aussicht, eine weitere Nacht im PVC-Schnellkocher verbringen zu müssen. So langsam schwant mir, dass der gesamte Urlaub eventuell gar nicht so schlimm wäre, wenn unsere Eltern den Planeten nicht mit Vollgas in die Klimakatastrophe gesteuert hätten. Der Status quo bleibt jedoch ein klares “Nie wieder”.

Der einzige Vorteil, den unsere unverwüstliche Hütte mit sich bringt, sind die äußerst intensiven Träume. Vermutlich löst sich die Hülle durch die ständige Sonnenbestrahlung auf und versorgt uns mit psychedelischen Dioxinen. Schon werden die ersten aufschreien, wie wir das unserem Kind antun können (“Kinderkriegen sollte Litsenzpflicht haben!” Wolfgang W. aus K.). Charlotte schläft allerdings so gut, dass ich inzwischen erwäge, ihr Kinderzimmer daheim mit PVC auszukleiden. Aber selbst wenn ich die Betreiber auf die Nebenwirkungen unseres Horrortrip-Tipis hinweisen würde – sobald ich von meinen nächtlichen Visionen erzähle, in denen Zelte in Flammen stehen und die Glippers, die Luxusvariante der Flippers, Solang in uns ein Feuer brenntsingen, werden sie eher mich als den psychoaktiven Tempel den Behörden übergeben.

Glamping – so unsinnig wie Pfirsich Elba

Auch bei Regen nicht zu ertragen

Tag sieben. Ich suche im Netz ein Hotel in der Toskana für den Zwischenstopp auf der Heimreise. Zwei Stunden lang betrachte ich Unterkünfte, die für normale Menschen gebaut wurden. Alles, was für mich vor einer Woche noch Standard war, wirkt wie aus einer anderen Welt. Solide Wände. Glasfenster. Türen ohne Reißverschluss. Und ich erwische mich, kurz zu hoffen, unsere Plastikbeduinenherberge den Steingebäuden vorzuziehen. Lächerlich. Von nun an werden die Stunden bis zu unserer Ankunft im Chiesa Ignano 1778 gezählt, einer ehemaligen Kirche, die zum Hotel umfunktioniert wurde und seitdem wieder Besucher hat.

Mein Zwischenfazit steht fest: Elba im August sollte sich jeder sparen. Allein die 150 Euro für die Überfahrt reichen schon für eine Nacht in einem anständigen Hotel. Die Strände sind hoffnungslos überfüllt, das Meer pisswarm, die Preise unvernünftig. Für zwei Liegen mit Schirm werden bis zu 55 Euro aufgerufen. Pro Tag. Aber nicht mit uns – wir haben schließlich als gute Glamper Lightweight Foldable Outdoor Adventure Chairsdabei und in dem kleinen Shop am Strand einen horrend überteuerten Sonnenschirm erstanden. Allen, die dennoch unbedingt auf die Insel wollen, die schon Napoleon Bonaparte kacke fand, darf ich dringend davon abraten, denselben Fehler wie wir zu machen. Glamping ist nicht Fisch, nicht Fleisch, die Synthetiknahrung aus der Petrischale unter den Urlaubsangeboten. Wenn das die Luxusvariante des normalen Campens darstellen soll, ist eine Wurzelbehandlung mitBetäubung die Luxusvariante des Zahnarztbesuchs. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man so Nichtcamper ans Zelten heranführen will. Ebenso kann man sich auf einen Prostatacheck bei Dr. Dickfinger vorbereiten, indem man sich einen Schuhspanner in den Po steckt.

Bleibt die Frage, ob es uns gelingen wird, den angesagten Regentag trocken zu verbringen (“Konnte nicht über diesen Schunnt lachen.” Robert K. aus D.). Ich kann es mir kaum vorstellen, denn seit gestern Abend weht eine streng nach Fäkalien duftende Brise über den Campingplatz. Und wir haben uns auch so schon gebessert: Die Negroniexzesse gehören der Vergangenheit an. Aus uns sind ganz gemütliche Niedrigprozentpichler geworden. Low alcstatt low carb.

Ein Käfig für die Narren

Der Regen setzt heftiger ein als erwartet und verwandelt das Gelände um uns in ein Matschparadies. Wir hören Janis Joplin, Jimmy Hendrix und The Who, um ein gewisses Woodstock-Feeling herzustellen. Vergebens. Die Luftfeuchtigkeit erstickt jeden Hauch von guter Stimmung im Keim. Zum Glück steht noch eine Flasche Enki Blonde im Kühlschrank. Scheiß drauf. Wir haben uns auf einen Urlaub in der Hölle eingelassen, da dürfen wir uns auch wie Teufel benehmen. Statt die Insel wie der französische Exilemperator vorzeitig zu verlassen, flüchten wir uns ins angenehme Angesäuseltsein. Wie man das trotz Kind hinbekommt, haben wir schließlich nicht umsonst perfektioniert. Möge die jwd-Redaktion mit Zuschriften bombardiert werden wie wir mit Moskitos, schlecht gelaunten Kellern und absurden Preisen für minderwertige Waren.

Mit dieser Entscheidung wandelt sich alles: Es ziehen sehr nette Leute in das Bungalow nebenan ein, und die Temperaturen finden einen einen Wert, auf den unsere Körper nicht mit Fatigue, Durst und Schweiß reagieren. Völlig überraschend wird dann auch noch unser Abstecher nach Marciana Marina zu einem kleinen Jahreshighlight – der Ort ist furchtbar schön und das Essen eine Wonne. Irgendwie versucht die zweite Woche all die negativen Erfahrungen ihrer Vorgängerin in Vergessenheit drängen zu wollen. Womöglich muss ich mein Urteil über die Insel doch noch revidieren. Ja, ich möchte schon fast nicht mehr definitiv ausschließen, dass man eventuell über Pfingsten mitunter traumhafte Tage hier verbringen kann.

Da erwischt mich Montecristos Rache.

Immer im Blickfeld: Montecristo

Zunächst trete ich unglücklich auf einen spitzen Stein und reiße mir eine Wunde in den Fuß. Nicht wild, aber am Strand im Sand eher nervig. Am Abend esse ich ein Steak und wache um drei Uhr morgens mit üblen Krämpfen im Körper auf. Das Tier in mir will raus. Den Rest der Nacht verbringe ich in einer der Porzellanzellen, den folgenden Tag im Bett, während draußen die Sonne ihre Mission “Must destroy mankind” fortsetzt. Der kurze Abstecher in den Bereich der Erträglichkeit war schlichtweg eine Laune der Natur, deren Nachhaltigkeit der solaren Feuerprobe nicht standhält. Alles um uns herum droht wieder zu verglühen, während ich im Plastikmantel backe. Der Bauch schmerzt, die Wunde eitert und aus Spaß am Leid wächst mir auch noch ein ordentlicher Herpes an der Lippe. Ich fühle mich endgültig bestätigt: Elba ist eine No-go-area und Glamping mein rekreatives Waterloo. Da tröstet nicht einmal, dass ich tatsächlich ganze 41 Stunden keinen Tropfen Alkohol zu mir nehme. Ach, doch. Es waren exakt dreimal 15 einer widerlichen Kräutertinktur, um den Magen zu kurieren. Fuck!

Als ich die nie ganz ausgepackten Koffer am Morgen unserer Abreise ins Auto wuchte, blicke ich noch einmal zu unserem Zelt und habe schlagartig die Erkenntnis, dass wir auf einen billigen Marketingtrick hereingefallen sind. Man macht aus Scheiße kein Gold, indem man den ersten Laut mit “Gl” ersetzt. Man verkauft dann Gleiße, egal wie oft das Wort Luxus auf der Homepage prangt. Doch solange es Volltrottel wie uns gibt, kommen die Bauernfänger damit durch. Wir sind diejenigen, die für Tom Saywer den Zaun gestrichen hätten. Uns kann man ein X für ein U vormachen, die Feldherrenfantasien eines Kunstfälschers für Hitlers Tagebücher und einen unverwüstlichen Müllsack als glamouröse Zeltalternative.

Als ich das Caren und Charlotte erzähle, schämen wir uns so sehr, dass wir noch auf der Fähre nach Piombino einen Zeltplatz bei Arcachon für den August 2019 reservieren. Ehe wir uns abzocken lassen, spielen wir lieber mit und werden zu echten Campern.

Ich hasse mich dafür jetzt schon.

(erschienen in jwd No 6, September 2018)

Cinque Negroni – Saufen trotz Kind

Cinque Negroni – Saufen trotz Kind

Wenn man um 4:40 Uhr in München losfährt, kann man entspannt um 13:00 Uhr in Monterosso al Mare sitzen und seinen ersten Negroni bestellen. Und das nicht nur als kinderloses Powercouple aus irgendeiner nutzlosen Beraterfirma, sondern auch mit meckerndem Nachwuchs im Gepäck.

Der fünfte Negroni war derjenige, den ich heute bereue. Er hat über Nacht mein Gehirn aufquellen lassen. Jetzt stemmt es sich mit all seiner Kraft gegen die Schädeldecke und droht, sie aufplatzen zu lassen wie eine vergärte Melone. Schuld daran ist natürlich Charlotte. Sie kennt meine Grenzen besser als ich, weiß, wann ich Schluss machen sollte, um am nächsten Tag noch funktionstüchtig zu sein. Gestern war ihr allerdings das sinnlose Herumrennen auf dem Spielplatz wichtiger als das Wohlbefinden ihres Vaters. Sie ahnt nicht, dass sie sich damit ihr Weihnachtsbudget zerschießt (seit mich eine Mutti im Waldkindergarten angejesperjuult hat, dass man Kindern nicht droht, überrasche ich mit massiv enttäuschenden Festtagen). Da ich mir für diesen Urlaub idiotischerweise vorgenommen habe, auf Schmerzmittel zu verzichten, Stichwort Flush-Reaktion, und es erst in zwei Stunden Frühstück gibt (negronische Bettflucht), setze ich mich unter den Olivenbaum auf unsere Terrasse und blicke über die Dächer von Monterosso aufs Meer. Mein Mund ist trocken, der Magen flau, das Sichtfeld verschwommen. In den vergangenen sieben Tagen habe ich um die zwanzig Negroni getrunken, zehn Spritz und ein paar Gläser Wein. Das klingt für die meisten nach einem entspannten Frühschoppen am Ballermann. In der Kategorie Familienurlaub ist das allerdings ein solides Ergebnis.

Grundsätzlich trinken meine Frau Caren und ich gerne. Trotz Kind. Allerdings schießen wir uns nie so ab, dass wir uns vor Charlie schämen müssten. Sie bekommt nur mit, dass wir albern werden. Und spendabel. Was sie schonungslos ausnutzt. Ihr ist dann plötzlich kalt, und da wärmende Kleidung 300 Stufen entfernt im Hotelzimmer liegt, bekommt sie eben die ersehnte kleine Handtasche für 40 Euro aus dem kleinen Laden um die Ecke. Dafür können wir noch eine Runde bestellen. Sie fetzt zum Spielplatz und … Moment. Handtasche? Jetzt merk ich’s auch.

Wichtig ist, das Kind früh an alkoholisierte Eltern zu gewöhnen

Ein vollwertiges Abendessen

Das erste Mal waren wir vor sechs Jahren im Hotel Villa Steno in Monterosso al Mare. Charlie war eineinhalb, unser Alkoholkonsum sehr moderat. Bis wir an der Enoteca Da Eliseo vorbeikamen, einer kleinen Weinbar im Zentrum des alten Teils der Stadt. Man sitzt unter weißen Schirmen auf wackeligen Stühlen zwischen Weinfässern und bekommt zu jedem Getränk Erdnüsse, Kapern und Oliven gereicht. Wer genug trinkt, wird also auch satt. Mir war mehr nach Aperitif denn nach Wein, eine verheerende Entscheidung. Nicht, dass man Schlechtes über die Weine der Region Cinque Terre sagen könnte, Caren zwitschert sich fast ausschließlich durch die Palette. Aber der Negroni, den Eliseo hier serviert, ist ganz einfach der beste der Welt.

Hysterischer Aufschrei der Mixology-Nerds, die sich ganz nervös fragen, welcher Wermut oder Gin denn dort verwendet, wie lange der Drink mit Eiswürfeln gerührt und wann genau die Orangenzeste dazugegeben wird. Euch ein beherztes: Fuck off. Scheißegal. Entscheidend ist allein, wo man trinkt. Der Negroni gehört nach Italien, woanders schmeckt er immer und ausschließlich nach Reizdarm-Medizin. Das ist keine Meinung, sondern Fakt. Ich schweife ab.

Nach unseren ersten Drinks in der Enoteca war Caren und mir klar, dass wir uns intensiv mit der Frage auseinandersetzen mussten, wie man Alkoholkonsum und Familienurlaub unter einen Sonnenhut bringt. Ein Promillchen später hatten wir die einzig wichtige Regel destilliert: Man muss genau da aufhören, wo der Rausch einzusetzen droht. Nur so ist man jederzeit bereit, das Kind unendlich viele Stufen hochzutragen, ohne Gefahr zu laufen, es fallen zu lassen oder zu stolpern. Außerdem ist so gewährleistet, dass man noch nuschelfrei mit Eltern anderer Kinder auf dem Spielplatz kommunizieren kann und auf Ausnahmesituationen (Mücke im Zimmer, Kind leckt an Steckdose, Trump dropped the bomb) nicht wie ein Komapatient reagiert.

Je älter das Kind, desto beständiger der Pegel

Wer also zwischen Hui und Pfui vom Gas gehen kann, wird erfolgreich angetrunken sieben stressfreie Tage in der Gegend verbringen, die Lord Byron »das Paradies auf Erden« nannte. (Da man in Printmagazinen nicht googeln kann: Dichter der englischen Spätromantik, Brieffreund Goethes und Namensgeber einer etwa 20 km entfernten Grotte.) Damals zogen zwar keine Heerscharen amerikanischer Tagestouristen durch die Orte, doch selbst die lassen sich erstaunlich gut ertragen, wenn man stets zum richtigen Getränkt greift. Spätestens um acht Uhr legt sich der Trubel in den Gassen. Die Lokale sind dann gut besetzt, überall riecht es nach Fisch, Pesto und Gegrilltem. Irgendwo kämpfen zwei Katzen.

In diesem Jahr liegt Pfingsten im Mai und ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet sorgt anfangs für laue Temperaturen. Der Vorteil ist, dass die Getränke nicht so schnell warm werden. Der Nachteil, dass man seinen Kater nicht entspannt am Strand auskurieren kann. Stattdessen steht am ersten Tag Wandern auf dem Programm. Von Monterosso geht es entlang der Küste in den Nachbarort Vernazza. Für die, laut Apple Health, 5,5 Kilometer und 61 Stockwerke braucht man mit Kind rund zweieinhalb Stunden und drei Bier oder zwei Weinschorlen. Das Kind motiviert man zunächst mit unlauteren Mitteln („Ich glaube, es gibt in Vernazza ein Spielzeuggeschäft.“), später mit der Ausweglosigkeit der Situation („Umdrehen würde länger dauern.“). Das eigentliche Ziel ist jedoch der Lemon Spritz in der Ananasso Bar direkt am kleinen Hafen. Kleiner Scherz. Lemon Spritz ist das einzige Getränk, vor dem ich ausdrücklich warne. Hauptbestandteil ist Limoncello. Das ist Italienisch für „in Alkohol aufgelöste Urinaldrops“. Nur wer keine Arme mehr hat, aber unbedingt Bulimiker werden will, sollte dieses Gesöff bestellen. Wir kippen uns selbstverständlich den klassischen Aperol Spritz hinter die Binde. Den ersten gegen den Durst, den zweiten aus Schierschandudel. Für die Fahrt zurück nach Monterosso ziehen wir dann die Bahn dem Boot vor, da die hoffnungslos überfüllten Kutter dazu neigen, auf Wellengang mit starkem Schwanken zu reagieren. Das kann in Ausnahmefällen hässlich enden und wird von den italienischen Leichtmatrosen nicht gern gesehen („Madonna mia! Va fanculo!“).

How to Monterosso like a king

Nr. 3

Bei dem sonst fast ausschließlich herrschenden Traumwetter leisten wir uns Liegestühle und Schirm am Bagno Eden im neueren Ortsteil Fegina. In der dazugehörigen Bar bekommt man die geeigneten Getränke, um den Tag über den Alkoholhaushalt in Ordnung zu halten. Gegen Mittag geht es zu Il Bocconcino, einer fantastischen Fischfrittiererei direkt am Bahnhof. Das Öl hält Magen und Darm geschmeidig, das Eiweiß ist sicher auch irgendwie nützlich. Sollte jedoch akuter Weindurst einsetzen, nehmen wir einfach im Schatten der Olivenbäume im Ristorante Lapo‘s Platz. Die Trofie al pesto Genovese (Wurmnudeln in Basilikumbatz) sind ebenso ölig wie die Calamari aus der Fritöse, der Effekt also derselbe. Den Rest des Tages halten wir uns mit regelmäßigen Badegängen wach – das Kind ist so oder so fast ausschließlich im Wasser. Der Weg zurück in die Villa Steno führt unweigerlich an der Enoteca vorbei, wo Eliseos Frau Maria schon winkt und Charlie mit Küsschen (24.000 baci) begrüßt. Wer kann da schon weiterlaufen, ohne einen Negroni zu bestellen? Zumal die Tochter hungrig ist, und Kapern als Aperitif der Alkoholfreien gelten. Ratsam ist hier nur, Amerikaner („I love Cinque Terre!“) mit einem entschiedenen „No English.“ abzuschalten, da sie alle dieselbe Geschichte erzählen: Sie waren bereits in Florenz („Amazing!“) oder Pisa („Loved it!“), fahren morgen nach Siena („Supposed to be gorgeous.“) und fliegen Montag zurück in die Staaten („So sad!“). Who gives a fuck?

So vergehen die Tage im Rausch. Selbstverständlich kann es zu Situationen kommen, die man nüchtern nicht erlebt hätte. Wie vorgestern, als wir erst im Hotelzimmer bemerkten, dass wir Charlie auf dem Spielplatz vergessen haben, und ich tatsächlich für eine Sekunde dachte, dass sie den Weg zum Hotel schon alleine finden würde. Kann vorkommen. Ego me absolvo. Alles in allem sind die Tage hier unfassbar erholsam und ein Egoboost für die Leber. Heute genießen wir das letzte Mal das sensationelle Frühstück, das Carla und Matteo Pasini jeden Morgen auffahren. Später geht es an den Strand, wo wir unseren graduellen Alkoholentzug einläuten. Der Pegel sollte auf keinen Fall abrupt runtergefahren werden. Ein Glas Wein zum Mittagessen, abends der letzte Negroni. Wenn der Körper hält, was ich mir von ihm verspreche, gurke ich morgen um fünf absolut nüchtern die Serpentinen zur Autostrada hoch. Ich werde mit Wehmut an den Wermut denken, das Cin cin zum Gin vermissen und bis zum Brenner ein Wort suchen, das phonetisch Campari schmeichelt. Jetzt werfe ich mir erstmal eine Handvoll Paracetamol zum Wohl ein. Scheiß auf die guten Vorsätze. Im Sommer geht es schließlich zum alkoholfreien Glamping nach Elba.

(erschienen in jwd No 4, Juli 2018)

Icke über »Der Kalte Fritte«

Icke über »Der Kalte Fritte«

Herr Clausen, Sie schreiben sonst gemeinsam mit Ihrem Autorenkollegen Andreas Pflüger die Tatort-Drehbücher. „Der kalte Fritte“ stammt nun alleine aus Ihrer Feder. Wie hat sich das auf den Schreibprozess und die Arbeitsweise ausgewirkt?

Es war sehr einsam und ich hatte tatsächlich irgendwann Angst, verrückt zu werden. Zum Glück wehte der Sturm einen Volleyball in den Hof. Ich malte ihm ein Gesicht auf, nannte ihn Andreas und stellte ihn neben meinen Monitor. Von da an war’s eigentlich wie früher.

Was hat Sie für die Handlung von „Der kalte Fritte“ inspiriert? Haben die realen Schauplätze Weimars, wie der Frauenplan, Tiefurt oder Ehringsdorf Sie maßgeblich bei der Entwicklung der Storyline beeinflusst?

Natürlich war ich auch für diesen Film wieder im Lutherland unterwegs. Da ich aber ohne einen gebürtigen Thüringer an meiner Seite reisen musste, war ich nicht ganz so mutig und traute mich nicht weit über die Stadtgrenzen Weimars hinaus. Für den Tatort suchen wir immer Orte, an denen es kracht, pufft und zischt. Da lag der Travertinsteinbruch in Ehringsdorf nahe.

In dieser Folge des Tatorts spielt das Thema Konkurrenz eine zentrale Rolle. Ist das ein Thema, das Sie schon immer beschäftigt und das Sie gerne fiktional aufarbeiten wollten? Was hat Sie daran gereizt?

Mir ist in meinem Leben bislang alles in den Schoß gefallen, es gab nie eine Situation, in der ich mich bewusst gegen irgendwen hätte durchsetzen müssen. Ich bin mit einer vollkommen ambitionslosen Schwester gesegnet und Mitglied des FC Bayern München. Vielleicht hat es mich gerade deswegen gereizt, darüber zu schreiben. Das ist ein wenig wie mit dem Morden: Darin bin ich auch absolut unerfahren.

Hand aufs Herz: Haben Sie mit Andreas Pflüger nicht mal die Grundidee zu „Der kalte Fritte“ diskutiert?

Wir haben in fünf Weimarer Tatorten ein eigenes Universum geschaffen und sind über die Jahre sehr enge Freunde geworden. Selbstverständlich habe ich Andreas angeskypt, wenn der dämliche Volleyball mich nur mit seinen toten Augen angestarrt hat und keinen ordentlichen Input liefern konnte. Dafür sind Freunde doch da.

Clausen & Pflüger über »Der Wüste Gobi«

Clausen & Pflüger über »Der Wüste Gobi«

Gotthilf „Gobi“ Bigamiluschvatokovtschvili – ein Dessous-strickender Frauenmörder. Wie kamen Sie auf diese Geschichte und auf diesen Namen?

Clausen: Bei Andreas und mir wurde zeitgleich von dem bulgarischen Schamanen Teimurazi Dschughaschpaliaschwili eine schwere neurotische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, die uns mehr oder weniger zwang, die Arbeit in eine geschlossene landestypische Anstalt zu verlegen. Dort lernten wir sehr interessante Menschen kennen, deren Schicksale uns tief berührten.

Pflüger: Da beschlossen wir spontan und vollgestopft mit abgelaufenen Psychopharmaka, im nächsten Weimarer Tatort etwas über den Menschen in unserer Zeit zu erzählen. Zusätzlich haben wir Walter Benjamin gelesen. Ein Fehler.

Was waren die Herausforderungen beim Schreiben des Drehbuchs? Woher stammen beispielsweise Ihre Psychologiekenntnisse?

Pflüger: Wir mussten nachts schreiben, weil wir tagsüber in diversen Therapiegruppen feststeckten.

Clausen: Große Teile des Buches haben wir in Toilettenpapier gestanzt.

Pflüger: Von Psychologie verstehen wir nicht das Geringste. Wir er nden so vor uns hin.

Clausen: Ganz wie Freud.

Seit 2013 schreiben Sie gemeinsam die Bücher des Tatorts aus Weimar. Was bedeuten Ihnen Kira Dorn und Lessing mittlerweile?

Pflüger: Sie sind die Kinder, die ich nie hatte.

Clausen: Eine Lebensaufgabe.

Drehstart »Der kalte Fritte«

Drehstart »Der kalte Fritte«

Drei Exposé- und vier Drehbuchfassungen hat es gebraucht, um »Der kalte Fritte« drehfertig zu bekommen, meinen ersten Tatort ohne Andreas Pflüger als Koautor. Damit liege ich sogar im Weimar-Durchschnitt. Die ganze Reise begann mit einer Idee, die nach und nach aus dem Drehbuch verschwand, einer nackten Frau, die unter dem Goehte-Schiller-Denkmal aufgefunden wird. Ihr Körper ist blutverschmiert, Dr. Seelenbinder stellt eine dissoziative Fugue fest, begleitet von einer Amnesie. Doch bald wurde mir klar, dass eine Frau, die sich an nichts erinnert, den Krimi bremst, da die Frage, was sie weiß, vom Autor zu jedem beliebigen Zeitpunkt beantwortet werden kann. Fand ich nicht elegant, obwohl es bedeutete, sich von dem schönen Titel »Die nackte X« zu verabschieden.

Doch durch die Figuren, die ich angelegt hatte, und die Idee, »Goethes Geomuseum« nach Weimar zu bringen, war der Weg zum kalten Fritte nicht weit. Vor allem nicht, da mein Freund Andreas immer nur einen Skype-Anruf entfernt war und mir bei allen kleinen und großen Problemen mit Rat und Tat zur Seite stand.

Inhalt:

Bei einem Einbruch in seine Weimarer Villa wird der Milliardär Alonzo Sassen ermordet. Seine junge Frau Lollo erschießt den Täter – offenbar in Notwehr.

Die Kriminalhauptkommissare Kira Dorn und Lessing observieren Lollo, die danach im Bordell „Chez Chériechen“ Arbeit sucht. Dieses wird  von Fritjof „Fritte“ Schröder geführt. Dessen Bruder Martin betreibt mit seiner Frau Cleo in der Nähe Weimars einen Steinbruch, der am Rande der Insolvenz steht. Als besondere geologische Formation ist er einer der zwei potentiellen Standorte für das geplante „Goethe-Geomuseum“. Diese Nutzung wäre die finanzielle Rettung der Schröders. Doch Sassen hatte angekündigt, der Stadt ein Grundstück in Weimars bester Lage, am Frauenplan, zu schenken, um das Museum dort errichten zu können. War das sein Todesurteil?

Ihre Ermittlungen führen Kira Dorn und Lessing in die Bauhaus-Universität. Der Architektur-Professor Ilja Bock ist Vorsitzender der Jury, die über den Standort des Museum-Neubaus entscheidet. Er hat eine Affäre mit seiner Jungendliebe Cleo, die damit ins Fadenkreuz der Kommissare gerät. Als sich herausstellt, dass „Fritte“ Schröder bei dem Grundstücksroulette mit am Tisch sitzt und die Hassbeziehung zu seinem Bruder Martin offenbar wird, steuert der Fall auf ein explosives Finale zu.

Regie führt Titus Selge. Hinter der Kamera steht Stephan Wagner. Die Produzenten sind Nanni Erben, Quirin Berg und Max Wiedemann, Producerin ist Sirkka Kluge. Der Redakteur des MDR ist Sven Döbler.

Der Tatort ist eine Produktion der Wiedemann & Berg Television im Auftrag des MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNKS.

Andreas Pflüger und icke über den Tatort »Der scheidende Schupo«

Andreas Pflüger und icke über den Tatort »Der scheidende Schupo«

Der Tatort aus Weimar ist bekannt für seine skurrilen und liebenswürdigen Geschichten. Was ist die Quelle Ihrer nicht versiegenden Inspiration?

Clausen: Wasser aus der Ilm.

Pflüger: Das und unsere häufigen Expeditionen ins dunkle Herz Thüringens. Immer wieder stoßen wir auf Stämme – sie nennen es dort Dörfer – die seit Jahrhunderten keinen Kontakt zur Außenwelt hatten.

Clausen: Man lädt uns dann auf ein Gläschen grobe Wurst ein und die Ältesten erzählen uns ihre Legenden.

Pflüger: Und wenn das Drehbuch fertig ist, sagen wir immer: Genau so hat man es uns berichtet.

Clausen: Wir legen großen Wert auf den dokumentarischen Charakter unserer Bücher. Die schönste Zuschauerpost wird uns von den Brieftauben aus Thüringen gebracht, die übrigens auch hervorragend schmecken.

Pflüger: Mit Zwiebelkompott vom Rost.

Ludwig Maria Pohl – vom pflichtbewussten Polizisten zum Geiselnehmer. Hätten Sie das anfangs gedacht?

Ludwig Maria Pohl (Arndt Schwering-Sohnrey)

Pflüger: Ja. Es war sofort klar, dass in Lupos Nischel der Wahnsinn nistet. Er ist eine Mischung aus einem Wahnsinnigen und einem vollkommen Irren. Mit einer Spur Geisteskrankheit.

Clausen: Ganz ehrlich: Als wir den kakaoschlürfenden Kollegen der Hauptkommissare das erste Mal haben auftreten lassen, haben wir uns intensiv gefragt, ob so jemand überhaupt diensttauglich ist. Pflüger war sehr skeptisch. Dann sind wir in Meuselbach-Schwarzmühle in eine Verkehrskontrolle geraten. Das war’s dann mit der Skepsis.

Warum muss man den Tatort „Der scheidende Schupo“ unbedingt anschauen?

Pflüger: Der Zuschauer sollte eine Leidenschaft für Fliegerbomben, Armbrüste, Biotoiletten und Mausoleen haben. Dann könnte das Werk gefallen.

Clausen: Oder man begeistert sich für Porzellan. Das wurde schließlich in Thüringen erfunden.

Pflüger: Es geht um Leidenschaft, verzweifelte Liebe, verfeindete Erben, lebenslange Traumata und die Konsequenzen eines geschwänzten Elternabends im Kindergarten.

Clausen: Und um Mord!

Pflüger: An einem Menschen!

Andreas Pflüger und icke über den Tatort »Der treue Roy«

Andreas Pflüger und icke über den Tatort »Der treue Roy«

Schon die ersten beiden Fälle aus Weimar bekamen gute Kritiken. Wird der Druck dadurch immer größer?

Pflüger: Nein. Die Filme müssen unseren Ansprüchen genügen. Und die sind hoch.

Clausen: Wir sind unsere schärfsten Kritiker und machen uns selbst den größten Druck.

 „Der treue Roy“ ist eine Mischung aus Komödie und Krimi. Ist das beim Schreiben eine besonders große Herausforderung, lustig UND spannend zu sein?

Clausen: Ich denke nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Balance zu finden.

Pflüger: Alles, was man schreibt, ist eine große Herausforderung. Vor allem, wenn es unter der Dachmarke “Tatort” läuft.

Ist einer von Ihnen mehr für die Krimi-Elemente und der andere für die Komödien-Elemente zuständig?

Pflüger: Nein, wir entwickeln die Geschichte zusammen und schreiben jeden Satz gemeinsam.

Clausen: Komischerweise fallen mir aber oft die besseren Präpositionen ein, während Andreas regelmäßig bei den Konjuktionen punktet.

Pflüger: Aber es passiert auch oft, dass ich einen Satz beginne …

Clausen: … und ich einen anderen.

(lachen)

Was war die größte Herausforderung beim Schreiben des Drehbuchs zu „Der treue Roy“?

Clausen: Die Frage, ob es “Schraubenzieher” oder “Schlitzschraubendreher” heißt.

Pflüger: Das hat uns einen halben Tag gekostet. Danach lief’s eigentlich ohne Probleme.

Wie darf man sich Ihre gemeinsame Arbeit am Drehbuch vorstellen? Sitzen Sie zusammen in einem Büro und besprechen jede Szene?

Pflüger: Nein, wir sitzen beide an unseren Rechnern, sind über Skype verbunden und verfassen das Drehbuch in einem Online-Programm.

Clausen: Da sehen wir in Echtzeit, was der anderen gerade schreibt.

Haben Ihre Figuren reale Vorbilder?

Pflüger: Gott bewahre.

Clausen: Wir hoffen sehr, dass kein Mensch mit einem Schicksal wie dem von Roy Weischlitz geschlagen ist.

Kennen Sie zum Beispiel einen Typen wie den treuen Roy, der blind vor Liebe ist?

Clausen: So blind war bestimmt schon der ein oder andere – aber bei Roy paart sich diese Blindheit ja mit einem ungeheuren Defizit an … mir fällt das Wort nicht ein.

Pflüger: Intellekt? Weitsichtigkeit? Krimineller Energie?

Gibt es Szenen, bei denen Sie beim Schreiben selbst lachen mussten?

Pflüger: Wir lachen bei jedem gelungenen Gag. Und wenn wir beim Lesen nicht mehr darüber lachen, fliegt er sofort wieder aus dem Buch.

Clausen: Bei den besten Pointen reißt es uns jedesmal. Die sind dann auch im Film die größten Knaller.

Die beiden Kommissare entwickeln sich von Fall zu Fall weiter, zum Beispiel zeigte Kira Dorn erst jetzt, im dritten Fall, ihre emotionale Seite. Sind Sie dafür verantwortlich – oder kommen diese Ideen von den Schauspielern selbst?

Clausen: Christian und Nora sind Profis. Sie wissen, dass sie von uns gute Bücher bekommen und halten sich aus der Entwicklung raus.

Pflüger: Wenn dann später bei den Leseproben Ideen von ihnen kommen, nehmen wir diese gerne auf. Und auch am Set entstehen manchmal gute Gags von den beiden. Aber zu 98% steht das, was sie sagen und machen schon im Drehbuch.

Werden Sie noch weitere Weimar-Fälle schreiben?

Pflüger: Einen weiterer Fall von uns wurde im Frühjahr gedreht, den fünften Tatort mit Kira und Lessing schreiben wir gerade.

Clausen: Er soll im Herbst realisiert werden. Was 2017 kommt, steht noch in den Sternen. Aber wir rechnen uns ganz gute Chancen bei der Autorenwahl aus.

Was sind die Zutaten für einen guten Tatort?

Clausen: Die Schauspieler Nora Tschirner und Christian Ulmen, die Produzentin Nanni Erben, vom MDR Sven Döbler und Jana Brandt …

Pflüger: … und zwei x-beliebige Autoren.

Andreas Pflüger und icke über den Tatort »Der Irre Iwan«

Andreas Pflüger und icke über den Tatort »Der Irre Iwan«

Verspricht „Der Irre Iwan“ auch ein irres Drehbuch?

Pflüger: Bei uns ist der Titel immer Programm.
Clausen: Und es steckt irre viel Arbeit und Liebe drin.
Pflüger: Unsere Figuren haben uns selbst überrascht. Die haben so viel Vollgas gegeben, dass wir mit dem Schreiben kaum nachkamen.

Die Initialzündung zum neuen Drehbuch kam wann?

Pflüger: Als wir über Caspar Bogdanski nachgedacht haben, den Kutscher aus „Die Fette Hoppe“. Ich liebe den Schauspieler Dominique Horwitz, Murmel auch. Als Allererstes wussten wir, dass er zu Beginn des Filmes aus dem Knast kommt. Und dann haben wir uns gefragt: Welches Chaos könnte sich in Weimar am Tag seiner Entlassung Bahn brechen? Man glaubt ja nicht, wozu der menschliche Geist fähig ist.
Clausen: Allerdings hatten wir zu dem Zeitpunkt schon einige Wochen an einer anderen Idee gearbeitet, die sich jedoch nicht knacken ließ. Dann haben wir durch Zufall vom Rudolstädter „Vogelschießen“ erfahren, dem größten Rummel Thüringens, ganz in der Nähe von Weimar. Krimimäßig eine Goldgrube.
Pflüger: Da flogen uns die Ideen nur so um die Ohren.
Clausen: Es wird krachen, puffen und zischen.

Gab es eine besondere Herausforderung beim Schreiben des Drehbuchs?

Clausen: Natürlich, denn nach dem tollen Feedback auf „Die Fette Hoppe“ ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch.
Pflüger: Wir selbst legen die Latte immer höher.
Clausen: Stichwort „Weimarer Wahnsinn“.
Pflüger: Wir wollten einen Film schreiben, der zu den Anfängen zurückkehrt, als auf den Rummelplätzen die Nickelodeons standen und die Bilder und Geschichten nach gebrannten Mandeln und Zuckerwatte geschmeckt haben, scharf und süß. Und dann Achterbahn fahren.
Clausen: Eine Geisterbahnfahrt der Gefühle, ein Höllenritt. Genau wie die Entwicklung.

Andreas Pflüger, Sven Döbler und icke

Andreas Pflüger, Sven Döbler und icke

Was hat Sie beim Schreiben besonders amüsiert?

Pflüger: Jede neue Wendung, jeder gelungene Satz, einmal sogar ein Komma.
Clausen: Wir lachen eigentlich ständig, das kostet unheimlich viel Zeit.
Pflüger: So eine Freiheit und Lust spürt man natürlich nur, wenn man weiß, dass man Leute hinter sich hat, die einem großes Vertrauen schenken. Die Redaktion des MDR, Jana Brandt und Sven Döbler, aber auch Nanni Erben von Wiedemann & Berg sind ein Geschenk.
Clausen: Und es ist schön, dass man von Fassung zu Fassung alle Figuren noch besser versteht, besonders den Ursprung ihrer Komik. Wir müssen auch noch mal ein großes Lob an unseren Regisseur Richard Huber aussprechen, der noch kurz vor Drehbeginn ein paar Pointen hinterfragt und so wirklich alles aus uns und den Charakteren herausgeholt hat.

Sind die Rollen des Krimi- und Satireschreibers zwischen Ihnen Beiden getrennt?

Clausen: Absolut nicht. Wobei jeder von uns Stärken und Schwächen hat. Andreas kann zum Beispiel schon, während wir einfach nur alle Ideen und Gedanken zum Film unsortiert und ungefiltert hin- und herwerfen, eine Struktur in das Chaos bringen. Das würde mich alleine mindestens eine Woche kosten.
Pflüger: Ich würde unsere Arbeit nicht als Satire bezeichnen. Wir nehmen unsere Figuren ernst, machen uns nicht über sie lustig, die Komik entsteht immer aus dem Charakter heraus. Wir haben beide den gleichen Sinn für Humor und eine Leidenschaft, menschliche Abgründe auszuloten. Oft fängt der eine einen Satz an und der andere beendet ihn. Klar habe ich mehr „Tatort“-Erfahrung, aber ich habe ja auch Komödien geschrieben. Und Murmel kann auch Krimi. Er ist blitzschnell im Kopf und ganz einfach der witzigste Mensch, den ich in meinem ganzen Leben kennengelernt habe.
Clausen: Letzten Endes könnte keiner von uns beiden einen „Tatort Weimar“ alleine schreiben.
Pflüger: Und würde es auch nicht wollen.

Tatort »Der Irre Iwan«

Tatort »Der Irre Iwan«

Iwan und Nicole Windisch (Jörg Witte, Therese Hämer)

Iwan und Nicole Windisch (Jörg Witte, Therese Hämer)

Ein »Irrer Iwan« ist eigentlich ein U-Boot-Manöver, bekannt geworden vor allem durch den Film »Jagd auf Roter Oktober«. Im aktuellen Tatort Weimar handelt es sich beim „Irren Iwan“ allerdings um den Stadtkämmerer Iwan Windisch, dessen Sekretärin bei einem Überfall auf die Kämmerei erschossen wird. Kira Dorn und Lessing finden schnell heraus, dass die Tote ein Verhältnis mit Iwan hatte und fragen sich, ob er den Mord vielleicht in Auftrag gegeben hat, damit seine Frau Nicole nichts von der Liebschaft erfährt. Doch das ist nur der Beginn des Films, dessen Dramaturgie an eine Achterbahnfahrt angelehnt ist. Erst wird die Fallhöhe geschaffen, dann geht es richtig los, alle drehen und wenden sich, es wird immer rasanter und endet in einem großen Finale.

Andreas Pflüger und ich haben lange an dem Drehbuch gearbeitet. Sieben Fassungen in fünf Monaten, nicht dazugerechnet die Phase, in der wir nach der zündenden Idee gesucht haben. Am 11. Dezember 2014 wird der Film dann endlich im DNT uraufgeführt. Dabei genießen wir den Heimspielvorteil in Weimar. Schon für »Die Fette Hoppe« hat der MDR dort Premiere gefeiert – ein Abend, den ich niemals vergessen werde. Achthundert Zuschauer, die außer sich waren. Ich habe nur einmal ein begeisterteres Publikum erlebt, 2001 bei der Premiere von »Der Schuh des Manitu«.

Trabbel auf dem Rummel (Pit Bukowski, Christian Ulmen, Nora Tschirner, Sophie Rois)

Das könnte allerdings am 11. Dezember Geschichte sein, denn »Der Irre Iwan« ist unserem Regisseur Richard Huber extrem gut gelungen. Jörg Witte ist eine Sensation, ebenso Sophie Rois, Dominique Horwitz und Pit Bukowski. Dazu überzeugen Christian Ulmen und Nora Tschirner als Kommissare.

Am 1. Januar 2015 wird »Der Irre Iwan« dann um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Ich werde in einem kleinen Haus auf der Gondwana Game Reserve sitzen und die Reaktionen im Netz beobachten – falls nicht gerade ein Elefant oder ein Rudel Löwen auftaucht und mich ablenkt. Da mir der Film noch einen Tick besser als »Die Fette Hoppe«gefällt, kann ich kaum abwarten, wie er angenommen wird. Wir treten erneut gegen »Das Traumschiff« an, auf ProSieben wird »I, Robot« gezeigt, SAT1 startet das Neue Jahr mit »Blind Side – Die große Chance«, insgesamt also ein Gegenprogramm, das uns sicher die ein oder andere Million Zuschauer kosten wird – was uns aber nur um Stolz verletzen könnte, denn der dritte Tatort mit Kira Dorn und Lessing ist bereits beauftragt.

Fotos: MDR/Wiedemann & Berg Television/Anke Neugebauer

Ich zu »Die Fette Hoppe«

Ich zu »Die Fette Hoppe«

Ein Münchner schreibt mit einem Berliner einen Tatort für Weimar, wo ein Hamburger ermittelt. Wie kamen diese Koordinaten zusammen?

Der MDR hat im vergangenen Jahr einen neuen Tatort für Thüringen öffentlich ausgeschrieben. Und da die Reihe für mich ein Stück deutsche Kultur darstellt, lag es nahe, in meinem Konzept die Wiege der deutschen Kultur zu bespielen. Die Zusammenarbeit mit Andreas Pflüger kam dann zustande, da ich von vornherein einen tatorterfahrenen Kollegen an meiner Seite wollte. Aus Demut vor dem Genre.

Andreas Pflüger ist (mit 20 Folgen) ein erfahrener Tatort-Autor, für Sie war es Premiere. Wie kann man sich das Schreiben zu zweit vorstellen, und wie haben Sie sich auf Weimar eingestimmt?

Wir wurden von unserer Produzentin Nanni Erben (Wiedemann & Berg) in ein Zimmer gesperrt und saßen uns jeden Tag an einem Schreibtisch gegenüber. Vor uns je ein Monitor, zwischen uns eine Tastatur, die mal der eine, mal der andere bedient hat. Sprich: wir haben jeden Satz, jede Pointe, jede kriminalistische Idee gemeinsam erdacht und aufgeschrieben. Andreas kannte als gebürtiger Thüringer Weimar schon gut, ich habe es mir auf Google Earth angesehen und dazu Thüringer Zeitungen gelesen. Nach einigen Tagen habe ich die Stadt dann verstanden. Als Krimineller klaut man dort Blechkuchen, wirft Kinderräder auf dem Markt um und schmiert Hackfleisch an Haustüren.

Sie haben sich vorrangig als Comedy-Autor einen Namen gemacht, und so ist auch „Die fette Hoppe“ geprägt von Situationskomik und Wortwitz, zum Beispiel „Weimar schillert“, „Das ist Messing, Lessing“, „Selbstmarder“. Wieviel Humor braucht ein Tatort, und wie stark beeinflusste Sie beim Schreiben der Erfolg der von vielen als witzig eingestuften Münsteraner Kollegen?

Ein Tatort braucht zunächst mal eine gute Krimihandlung und zwei Kommissare, aus deren Perspektive man die Ermittlungen verfolgt. Der Humor steckt in ihren Charakteren – und da unterscheiden wir uns von den Kollegen aus Münster deutlich. Unser Humor ist zwischenmenschlich und natürlich, bei den Westfalen basiert er vorrangig darauf, dass die Ermittler einander nicht ausstehen können und die Figur Boerne schon fast grotesk überzogen ist. Dass bei uns die Arbeit der Kommissare zusätzlich durch skurrile Wendungen und Kriminelle ohne Masterplan erschwert wird, verleiht dem Tatort Weimar eine weitere eigene Note.

Eines Ihrer Lieblingsthemen ist Essen. „Die fette Hoppe“ wird im Film als Weimarer Spezialität verkauft. Warum haben Sie sich für das Wurst-Thema entschieden?

Auf dem Markt in Weimar stehen vier Bratwurstbuden, der Rost brennt an jeder zweiten Ecke. Die Thüringer sind zurecht stolz auf ihre Wurst – warum sollten wir also etwas anderes in den Mittelpunkt stellen? Dazu ist eine Fleischerei ein toller Drehort. Allein das Fleischerbeil, dem wir den Namen »Dicke Berta« gegeben haben, schreit förmlich nach Krimi. Natürlich hat Weimar noch mehr zu bieten. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die Wohn- und letzten Ruhestätten von Friedrich Goethe und Johann Wolfgang von Schiller, den Zwiebelmarkt, einen Travertinsteinbruch und sogar ein eigenes Chapter der Bandidos. Aber jetzt geht’s erst mal um die Wurst.

Parallel zu Ihrem Tatort in der ARD macht sich im ZDF das „Traumschiff“ auf den Weg nach Malaysia. Haben Sie Angst, der neue Kapitän Sascha Hehn könnte Ihnen die Show stehlen?

Nein. Es wäre auch unsinnig, sich über die parallel laufenden Programme den Kopf zu zerbrechen. Oder machen Sie sich Sorgen, Ihre Leser an »Das Goldene Blatt« zu verlieren?

Der Weimarer Tatort war ursprünglich als einmalige Sendung geplant. Noch vor der Ausstrahlung wurde bekannt, dass die Kommissare Kira Dorn und Lessing 2014 in die zweite Runde gehen. Sind Sie erneut für das Buch verpflichtet? Welche Details können Sie schon verraten?

Ja, Andreas Pflüger und ich sitzen schon an einem neuen Buch. Und wir stellen fest, dass es eine ziemliche Herausforderung ist, den Weimarer Wahnsinn, den wir im ersten Film losgetreten haben, zu toppen. Aber wir haben da so eine Idee, die in die richtige Richtung geht. Ich verrate nur so viel: Es gibt einen Toten und der Mörder war’s!

Ein Traum von Ihnen wäre, einen Münchner Tatort zu schreiben. Hat Sie die Tatort-Erfahrung Ihrem Traum ein Stück näher gebracht? Und wie würde ein München-Tatort aus der Feder von Murmel Clausen aussehen?

Das ist richtig. Und ich habe im letzten Jahr viel über den Tatort gelernt. Von Andreas, aber auch von unserem Redakteur Sven Döbler. Das altehrwürdige Team Batić/Leitmayr ist nach inzwischen fünfundsechzig Folgen ja auch ziemlich auserzählt, in ein paar Jahren erreichen die Kommissare das Rentenalter, bis dahin müsste ich mich eh gedulden. Sollte ich dann mein Konzept einreichen dürfen, hätten die Kommissare zwar auch Humor – der Krimi und das Drama müssen in München aber die tragenden Elemente bleiben. Skurril und witzig ist für mich in einem Großstadttatort nur schwer vorstellbar. Der Weißwurstkönig wird hier sicher nicht entführt – der wird vor dem Mittagsläuten ins kochende Wasser geschmissen, von der Herdplatte genommen und ist nach fünf Minuten gar. Kleiner Spaß. Der braucht natürlich zwölf Minuten.